Kakteen und Sukkulenten gelten als sehr pflegeleicht – ganz besonders für Menschen, die keinen grünen Daumen haben. Wie kommt es dann, dass wir manchmal zu oft oder zu viel gießen?
Inhaltsverzeichnis
- Sukkulenten haben einen eingebauten Wasserspeicher
- Faktoren, die die Wassermenge beeinflussen
- Die Relevanz vom Standort für das Gießen von Sukkulenten
- Gießen während der warmen Jahreszeit
- Im Winter gießt man sparsamer oder gar nicht
- Woran erkennt man, ob die Pflanze Wasser brauch?
- Zu viel gießen – das passiert mit eurer Pflanze
Sukkulenten haben einen eingebauten Wasserspeicher
In meinem Blog zum Begriff Sukkulenten habe ich bereits erklärt, was der Begriff eigentlich bedeutet. Die Kurzfassung: Das Wort ist verwandt mit dem Wort „saugen“, da die Pflanzen Wasser speichern. Man unterscheidet zwischen blatt-, stamm- und wurzelsukkulenten Arten.
Blattsukkulente Pflanzen, darunter zum Beispiel die Gattung der Echeverias, speichern Wasser in den Blättern. Bei Aloen verhält es sich ähnlich und dort erkennt man es sehr gut an der gel-ähnlichen Substanz, die weltweit in der Kosmetik benutzt wird.

Dieser evolutionäre Schritt war für alle Arten, die heute als Sukkulenten bezeichnet werden überlebensentscheidend. Viele Arten stammen aus trockenen Wüsten- oder Gebirgsregionen, wo Niederschlag nur selten vorkommt. Das heißt: Wenn es dann mal regnet, dann müssen die Pflanzen möglichst viel Wasser speichern.
Das ist entsprechend der Grund, warum die meisten Sukkulenten sehr genügsam erscheinen und wenig gegossen werden müssen. Sie speichern genug Wasser, um eine gewisse Zeit überleben zu können. Viele andere Zimmerpflanzen besitzen diese Eigenschaften nicht, was an einer unterschiedlichen Herkunft liegt. Wenn eine Pflanze ursprünglich aus einer tropischen Region mit viel Niederschlag stammt, dann muss sie kein Wasser speichern.
Faktoren, die die Wassermenge beeinflussen
Der Wasserbedarf von Sukkulenten hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, darunter:
- benutztes Substrat – Blumenerde speichert Wasser länger, als es mineralische Kakteenerde tut
- die Drainage-Wirkung des Topfes
- die Herkunft und Gattung eurer Pflanze
- die Jahreszeit – Temperatur und Sonnenstunden sind ein erheblicher Faktor
- der Standort eurer Pflanze – Wohnraum, Balkon oder Garten
Generell würde ich bei Sukkulenten von Blumenerde abraten – die Erde hat zu viele Nährstoffe, bleibt zu lange feucht und lässt die Wurzeln kaum atmen. Zu Beginn meines Sukkulenten-Hobbies habe ich auch noch normale Blumenerde benutzt, wie man sie als Otto-Normal-Bürger kennt. Leider gingen mir dadurch auch einige Sukkulenten hopps, da die Wurzeln gefault haben.


Wenn ihr den Gattungs-Namen eurer Sukkulenten kennt, dann könnt ihr euch genau über das Gießverhalten informieren. Aloen und Kakteen sind bei dem Aspekt recht ähnlich – hier reicht es alle 2-3 Wochen zu gießen. Bei einer Echeveria oder Crassula müsstet ihr die Gieß-Frequenz schon verdoppeln. Natürlich auch wieder in Abhängigkeit der aktuellen Jahreszeit, worauf ich später noch eingehe.
Die Relevanz vom Standort für das Gießen von Sukkulenten
Wie oben kurz erwähnt spielt der Standort eurer Sukkulente ebenfalls eine entscheidende Rolle. Normalerweise reden wir hier von Zimmerpflanzen, im Sommer können viele Sukkulenten aber auch auf den Balkon wandern. Oder vielleicht habt ihr ein Steinbeet mit Hauswurz und Sedum, das ganzjährig im Freien steht.
Stehen eure Pflanzen in der Wohnung, so sind hier Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Lichtverhältnisse ein Faktor beim Gießen. Je trockener die Luft, desto schneller verdunstet das Wasser im Blumentopf und wird an die Luft abgegeben. Bei feuchter Luft – bei schwülem Wetter der Fall – ist die Luft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt. Dadurch wird Feuchtigkeit langsamer an die Luft abgegeben.
Steht eure Pflanze auf dem Balkon oder Garten, so braucht ihr ein gutes Erinnerungsvermögen. Wenn es tagelang geregnet hat, so entfällt das Gießen selbstverständlich. Ist es lange Zeit sonnig und trocken, so müsst ihr häufiger gießen.
Gießen während der warmen Jahreszeit
Im Frühjahr erwachen viele Sukkulenten wieder „zum Leben“ und kurbeln ihr Wachstum an. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auch die Wassergaben wieder zu erhöhen.
Je wärmer und sonniger das Wetter draußen ist, desto schneller verdunstet das Wasser in der Erde. Das bedeutet, dass man im Sommer und da in den heißesten Wochen des Jahres besonders viel gießen muss. Bei vielen Arten solltet ihr durchdringend gießen, also bis die Erde gesättigt ist.


Im Sommer spielt zudem die Tageszeit eine Rolle. Wenn ihr bei 30°C und praller Sonne mittags um 12 Uhr gießt, dann verdunstet das Wasser unnötig schnell. Ihr solltet im Sommer lieber abends wässern, sobald die Sonne so langsam untergeht. Dann haben die Pflanzen den ganzen Abend und die ganze Nacht Zeit das Wasser aufzunehmen.
Im Winter gießt man sparsamer oder gar nicht
Je nach Gattung eurer Sukkulenten gießt ihr im Winter ein wenig oder gar nicht. Viele Arten, darunter besonders Kakteen, halten Winterruhe. Wenn ihr solche Pflanzen hart überwintert, dann wird komplett auf Wassergaben verzichtet. Wie in meinem Artikel zu Wachstums- und Ruhezeiten erwähnt habe ist dies eher etwas für Leute mit eigenem Sukkulenten-Winterquartier.
Gattung | Herkunft | Winterruhe | Gießen |
---|---|---|---|
Echeveria | Mexiko | leicht | mäßiges Gießen etwa alle 2 Wochen |
Aloen | Südafrika | leicht | mäßiges Gießen etwa alle 2-3 Wochen |
Crassula | Südafrika | leicht | mäßiges Gießen etwa alle 2 Wochen |
Aeonium | Ostafrika/ Kanaren* | leicht/ im Sommer* | mäßiges Gießen etwa alle 2 Wochen (*manche Arten ruhen im Sommer statt Winter) |
Kakteen | Diverse | hart/ leicht* | von etwa Oktober bis März/ April gar nicht; *ohne Winterquartier mäßiges Gießen etwa alle 3-4 Wochen |
Euphorbien | Diverse | leicht/ hart | mäßiges Gießen etwa alle 2 Wochen; bei manchen Arten von November bis Februar/ März gar nicht |
Die Werte in der Tabelle sind natürlich eine absolut grobe Darstellung, da es je nach Art spezifischere Anforderungen geben kann. Außerdem sieht die Realität natürlich anders aus, wenn die Pflanzen wie bei mir an ihrem üblichen Fensterplatz stehen. Durch die Raumwärme gilt quasi sowieso ein anderes Szenario, als in der Heimat der Pflanzen.
Woran erkennt man, ob die Pflanze Wasser brauch?
Das Tückische ist leider, dass man nur sieht, wenn Pflanzen zu wenig Wasser haben. In diesem Fall ist es leicht an den Blättern zu erkennen, wenn sie einfallen und schrumpelig werden. Das ist das eindeutigste Signal, was man auch optisch erkennen kann. Ansonsten könnt ihr auch den „Finger-Test“ machen und erfühlen, ob die Erde sich trocken anfühlt.
Wenn ihr mal ein oder zwei Wochen aus eurem Gießrhythmus kommt, dann ist das bei den meisten Arten aber auch kein Drama. Viele Arten könnten Monate ohne Wasser auskommen – dies hemmt dann aber natürlich das Wachstum, da die Pflanzen ihre Energie rationieren müssen.
Wenn ihr euch beim Gießen unsicher seid, dann gießt lieber zu wenig als zu viel. Die möglichen Schäden bei zu vielen Wassergaben sind deutlich gravierender, als umgekehrt.
Zu viel gießen – das passiert mit eurer Pflanze
Wie zu Anfang erwähnt können Sukkulenten zwar Wasser speichern, aber auch dieser Speicher ist irgendwann voll. Auch die umliegende Erde kann nur ein bestimmtes Volumen aufnehmen, bis sie gesättigt ist. Wenn ihr einen Untersetzer benutzt, dann seht ihr das überschüssige Wasser recht schnell. Wenn die Pflanze sich jedoch in einem Übertopf ohne Drainage-Löcher befindet fällt es leider nicht auf. Das überschüssige Wasser kann dann tage- oder sogar wochenlang am Boden des Topfes verbleiben und eure Sukkulente schädigen.
Das schlimmste Szenario bei zu häufigen oder zu starken Wassergaben ist Wurzelfäulnis. Das ist insofern auch tückisch, da ihr das nicht direkt mitbekommt. Wurzelfäulnis breitet sich von unten nach oben aus. Wenn ihr also Fäulnis z.B. am Stamm einer Echeveria entdeckt, so ist es hier leider schon zu spät. Die Fäulnis hat sich dann meist bereits durch den kompletten Wurzelballen ausgebreitet und ist bereits in den Stamm gewandert.
Zu viel Gießen führt zu einem weiteren möglichen Problem – Befall von Trauermücken. Diese Schädlinge lieben feuchte Erde und können sich nur darin fortpflanzen. Wenn ihr also Pflanzen besitzt, deren Erde dauerhaft feucht ist, so ist dies die ideale Brutstätte für Trauermücken. Die wird man dann leider nur durch Umtopfen oder die Chemie-Keule los.